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Die bauliche Entwicklung
Knapp sieben Jahrhunderte dörflichen Lebens haben
den Ort Gatow geprägt, der sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein
in seiner baulichen Struktur vergleichsweise wenig verändert hat.
Das älteste Gebäude des Ortes ist die Dorfkirche.
Teile ihrer Bausubstanz stammen aus dem 14. Jahrhundert.
Als geistliches und soziales Zentrum ist die Kirche stets an ihrem Standort
in der Mitte des Dorfes bewahrt, in ihrer Gestalt jedoch
mehrfach verändert worden. Auf den Bauernhöfen hingegen sind
die Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die zumeist aus vergänglichen
Materialien (Holz, Lehmfachwerk, Strohdächer) gebaut waren, immer
wieder komplett ersetzt worden. Heute bestehen die noch erhaltenen
Hofanlagen in der Mehrzahl aus schlichten Ziegelbauten vom
Ende des 19. Jahrhunderts. Nur ein Fachwerkspeicher von 1763
und einige Wohnhäuser für Kossäten und Landarbeiter
aus dem frühen 19. Jahrhundert sind noch vorhanden und zählen
zu den ältesten Beispielen ländlicher Baukultur in Gatow.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich nach
den Agrareformen und der Separation der Feldflur auch erstmals die Struktur
des Dorfes. Ein neuer Bauernhof entstand um 1885 an der Buchwaldzeile
und südlich der Dorfkirche wurde auf ehemaligem Gartenland ein
Gutshof angelegt, der mit seinem repräsentativen Herrenhaus, Park
und zahlreichen Wirtschaftsgebäuden nun die größte Fläche
im Dorf besetzte. Nicht nur der Gutshof, auch das ehemalige
Lehnschulzengut (Alt-Gatow 57/63, bis ca. 1930 bewirtschaftet,
um 1975 abgerissen) sowie die Ziegelei und das
Rieselgut Karolinenhöhe benötigten
für ihre Arbeiter neue Wohnhäuser, die um 1900 vor allem nördlich
des Dorfes gebaut wurden. Hier entstanden darüber hinaus Häuser
für Handwerker und Kaufleute sowie erste Mietshäuser. Auch
an der Dorfstraße gab es um 1900 weitere Neubauten: das
Wohnhaus eines Bauernaltsitzers, ein neues Wohnhaus auf einem
Bauernhof und das Wirtshaus Gatow. Von einem Wasserturm
aus dieser Zeit steht noch der Ziegelsockel am Windmühlenberg.
1907-08 wurde das großbürgerliche Landhaus mit Park an der
Havel für den Charlottenburger Fabrikanten Otto Lemm
als einer der wenigen Villen- und Landhausbauten in Gatow errichtet.
Nur außerhalb des Dorfkerns, insbesondere am Havelufer, entstanden
seit den 1920er zahlreiche Sommerhäuschen und Laubenkolonien. Ein
Sommersitz am Wasser der bescheideneren Art innerhalb des Dorfes ist
das Holzhaus, das auf dem Grundstück des Wirtshauses möglicherweise
etwa 1920 gebaut und zunächst als Poststation
genutzt wurde.
Die stärksten baulichen Veränderungen erlebte Gatow nach dem
Zweiten Weltkrieg. Seit den 1950er, vor allem in den 1960er und 1970er
Jahren kam es immer wieder zu Abrissen, Um- und Neubauten, die innerhalb
weniger Jahrzehnte das Ortsbild Gatows radikal änderten:
die Dorfstraße wurde zur Durchgangsstraße
ausgebaut und am südlichen Ende des Dorfkerns so begradigt, dass
sie einen Teil des ehemaligen Gutsparks
abschneidet. Nicht nur der starke Autoverkehr, sondern vor allem Querschnitt,
Belag und Gehwege der Straße vermitteln heute nichts mehr vom
idyllischen Bild der alten Dorfstraße, wie es noch auf Aufnahmen
der 1960er Jahre zu sehen und in einem Teil des Rothenbücherweges
erhalten ist. Vielfach wurden historische Bauten des Dorfes
abgerissen oder so entstellt, dass sie kaum noch als Zeugnisse
der landwirtschaftlich
geprägten Vergangenheit Gatows erkennbar sind. Zum Teil unmaßstäbliche
Neubauten für Ein- und Mehrfamilienhäuser besetzen heute viele
der historischen Bauerngrundstücke.
Auf einem Teil des ehemaligen Gutshofes, dem heutigen Grundstück
Alt-Gatow 44/50, war 1963-65 die katholische St. Raphael-Kirche nach
einem Entwurf des Architekten Rudolf Schwarz errichtet worden. 2005
musste die Kirche einem Supermarkt weichen, der die
Dimensionen der dörflichen Struktur sprengt. Trotz allem gehört
Gatow nach wie vor zu denjenigen der ehemaligen Dörfer im Berliner
Raum, in denen viel von ihrer gebauten Vergangenheit erhalten ist. Noch
immer entsprechen Straßenführung und Grundstückszuschnitte
zu einem großen Teil der historischen Situation, noch immer ist
der Ortskern von Feldern und Grünflächen umgeben.
Autorin: Haila Ochs
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