Rieselgut Karolinenhöhe, seit 1895 (Tafel)

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Um die katastrophalen hygienischen Verhältnisse in Berlin um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu verbessern, hatte Baurat James Hobrecht ab 1869 ein Kanalisationssystem für die Entsorgung der Abwässer entwickelt, das ab 1873 realisiert wurde. Von den Straßen und Gebäuden fließen seitdem gemischte Regen- und Schmutzwässer durch ein Netz unterirdischer Kanäle in Sammelbecken von Pumpwerken und wurden von dort mit Dampfmaschinenkraft durch eiserne Druckrohre auf Rieselfelder außerhalb der Stadt gepumpt. Das damalige Berliner Stadtgebiet war in zwölf separate Entwässerungszonen, sog. Radialsysteme, mit eigenen Abwasserpumpwerken eingeteilt. Für die Verrieselung entstanden zahlreiche Rieselgüter im Umland der Reichshauptstadt.*
Auch in den Berliner Vororten und Nachbarstädten wurde eine geregelte Abwasserentsorgung notwendig. 1888 beschloss die Stadt Charlottenburg, die Abwässer nach dem Berliner Vorbild zu beseitigen, und erwarb das damals zum Dorf Seeburg gehörende Bauerngut Karolinenhöhe sowie Teile der Gatower Feldmark, um hier ein Rieselgut einzurichten. Ab etwa 1895 versickerten die Charlottenburger Abwässer auf den Feldern, auf denen Gras, Getreide und Gemüse angebaut wurde. Die Arbeiter, die für den Bau der Klärbecken, Gräben und Drainagen sowie die Bewirtschaftung des Gutes angestellt waren, wohnten vermutlich zum Teil in Gatow (s. Gatower Straße 296 und 301/305).
Mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 gingen die Charlottenburger Wasserbetriebe und damit das Rieselgut Karolinenhöhe in den Besitz der Stadt Berlin über. Nach der Inbetriebnahme des Klärwerks Ruhleben 1963 ging die Nutzung des Rieselgutes zurück. Heute werden noch etwa 120 der ehemals mehr als 300 Hektar von den Berliner Wasserbetrieben als Reservefläche und zu Versuchszwecken genutzt. 1978-82 entstand der Landschaftsfriedhof Gatow an der Potsdamer Chaussee. Die übrigen Flächen sind seit 1987 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und haben sich zu einem beliebten Naherholungsgebiet entwickelt.**
* Denkmale der Berliner Wasserbetriebe. Historische Beiträge Heft 4, Teil II, hrsg. von den Berliner Wasserbetrieben, Berlin 1997.
** Arbeitskreis Gatow, Wanderungen durch Feld und Flur, Berlin 1998, S. 38ff.