Baudenkmal 01


Alt-Gatow 65, Bauernhof, Wohnhaus um 1890; Speicher, 1763; Scheune, 1904


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Als einziger der erhaltenen Bauernhöfe in Gatow wendet sich das markante Wohnhaus des ehemaligen Beutel’schen Hofes mit seiner Giebelseite zur einstigen Dorfstraße. Auch die Form der vorgeblendeten gestaffelten Giebelfassade mit rundbogigem Mittelteil fällt aus dem Rahmen des hier Üblichen. Bauer Beutel, der sein Haus vermutlich um 1890 erneuern ließ, griff dabei auf ein Architekturmotiv zurück, das den Bau von den übrigen Bauernhäusern in Gatow absetzt und ihm beinahe städtisches Flair verleiht. Das Haus selbst, das möglicherweise älter ist, blieb in seiner Struktur weitgehend erhalten, erlebte jedoch im Laufe der Zeit mehrfach Änderungen – wie z.B. 1937 den Anbau einer Veranda.
Zum Bauernhof gehören neben dem Wohnhaus eine Scheune, ein Fachwerkspeicher und ein Taubenhaus mit Abort. Um die Jahrhundertwende umfasste das Beutel’sche Gut darüber hinaus die beiden kleinen Wohnhäuser an der Straße (heute Alt-Gatow 67 und 69). Alle Gebäude gruppieren sich auf dem Grundstück, ohne die geschlossene Form eines traditionellen Drei- oder Vierseithofes zu bilden.

 

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Eine Besonderheit ist vor allem das kleine zweistöckige Fachwerkgebäude im hinteren Teil des Grundstücks, das heute nach der Kirche das zweitälteste erhaltene Gebäude Gatows ist. Auf Grund von dendrochronologischen Untersuchungen* konnte man die Holzbalken des ursprünglich wohl u.a. als Kornspeicher genutzten Baues auf 1763 datieren. Er wurde 2006 vom Förderverein Historisches Gatow restauriert und soll als Heimatmuseum genutzt werden.
Auch die große Backsteinscheune in der Mitte der Grundstücks birgt im Kern noch hölzerne Bauteile eines älteren Vorgängerbaues. Diese wurden ebenfalls dendrochronologisch untersucht und auf 1799 datiert. Für den 1904 entstandenen Neubau der Scheune verwendete man zum Teil die alten Balken. An das Wohnhaus selbst schließt sich ein eingeschossiges Stallgebäude in Backstein an. Das Taubenhaus mit Abort im gleichen Material wurde 1908 errichtet.** Über die Familie Beutel ist wenig bekannt. Der Hof scheint schon vor der Separation*** um 1850 im Besitz der Familie gewesen zu sein. Friedrich Beutel wird in den 1870er Jahren als Ortsvorsteher genannt. Nach den Berliner Adressbüchern zwischen 1922 und 1943 wohnte Landwirt Ernst Beutel im Wohnhaus des Hofes, die beiden kleinen Häuser wurden jeweils von mehreren Personen bewohnt, darunter viele Gärtner, Fischer und Arbeiter.

 

* Wiss. Verfahren zur Datierung von Holz.

** Angaben und Datierungen nach Unterlagen des Landesdenkmalamtes Berlin und des Vermessungsamtes Spandau. Berliner Adressbücher im Internet zugänglich.

*** Neuverteilung der Ackerflächen im Zuge der Agrarreformen.

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