Buchwaldzeile 54/56, Familienhaus, Stall, Schnitterhaus, 1915
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Die 1914-15 errichtete U-förmige Anlage aus zwei Landarbeiterwohnhäusern
und einem Stall ist der einzige bauliche Überrest, der in Verbindung
steht mit der mehr als 700jährigen Geschichte des ehemaligen Gatower
Lehnschulzengutes. Nach Separation der Gatower Felder und Reform der
Gemeindeverwaltung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte
der Hof, der seit dem Mittelalter auf dem heutigen Grundstück Alt-Gatow
61/63 den Gatower Dorfschulzen (Dorfvorsteher) gehörte, wechselnde
Besitzer erlebt und wurde zum Teil von Pächtern bewirtschaftet.
Spätestens seit 1914 gehörte das Gut dem Berliner Baumeister
Robert Guthmann, der bereits 1887 das Gut Neu-Kladow gekauft hatte.
Dort hatte Guthmann geplant, den Park zu parzellieren und eine Villenkolonie
zu gründen. Das Projekt schlug fehl und Robert Guthmann überließ
das Kladower Herrenhaus 1909 seinem Sohn Johannes Guthmann. Den gesamten
Besitz in Kladow und Gatow erbte 1921 Robert Guthmanns Tochter Mary
König, die 1928 alles an die Stadt Berlin verkaufte. Beide Güter
wurden als Berliner Stadtgüter zunächst weiter bewirtschaftet.
Neu-Kladow wurde ab 1935 von der Luftwaffe am Flugplatz Gatow genutzt,
auf dem Gatower Gutsgelände entstand 1932 das Ausflugsrestaurant
"Haus Gatow am See". Hierher zog 1955 der Komiker Erich Carow mit seinem
Kabarett "Carows Lachbühne", der das Lokal nun "Haus Carow am See"
nannte. Mitte der 1970er Jahre wurden sämtliche Gebäude des
Lehnschulzengutes und der Gaststätte abgerissen.
Wann genau das ehemalige Gatower Lehnschulzengut in Guthmanns Besitz
kam, ist nicht bekannt. 1914 wird Robert Guthmann im Gatower Gebäudebuch
als Eigentümer genannt, ebenso wie beim Grundstück Buchwaldzeile
54/56, wo er auch als Bauherr der 1915 fertig gestellten Häuser
verantwortlich zeichnete.* Das lang gestreckte, massiv gebaute Gebäude mit Krüppelwalmdach
an der Straße wird hier als Sechsfamilienhaus beschrieben, das
zehn beheizbare Zimmer, vier nicht heizbare Kammern, sechs Küchen
und eine Räucherkammer auf einer bebauten Fläche von 237 qm
beherbergte. Demnach war der Neubau im Juli 1915 benutzbar geworden
und die Baukosten betrugen 18.000 Mark. Das parallel hinter dem Haus liegende, ebenfalls massiv gebaute Schnitterhaus
hatte fünf beheizbare Räume auf 187 qm Grundfläche und
war ebenfalls im Juli 1915 fertig gestellt. Die Baukosten betrugen hier
5.000 Mark. Im Stallgebäude gab es auf 101 qm eine Waschküche,
sechs Ställe mit Heuboden sowie sechs Klosetts.
Ein Schnitterhaus diente in der Regel der Unterbringung von Saisonarbeitern
in großen Schlafsälen, während Familienhäuser mit
mehreren Wohneinheiten aus Stube, Küche und Kammer für die
dauerhaft auf dem Hof angestellte Landarbeiterfamilien eingerichtet
waren. Dass solche Häuser durchaus unterschiedlich aussehen konnten,
zeigen die Beispiele Gatower Straße 301/305 und 313. Während
das 1892 errichtete Haus Nr. 301/305 noch ganz im Stil der einfachen
ländlichen Backsteinbauten des 19. Jahrhunderts errichtet wurde,
zeigt das 1913 fertig gestellte Haus Nr. 313, ähnlich wie das Familienhaus
hier an der Buchwaldzeile ein Putzbau mit Walmdach, die Anlehnung der
Architektur an städtische Bauten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
* Angaben nach Unterlagen des Vermessungsamtes Spandau.